Fach-Austausch im Grundschulnetzwerk

Projekte und Pioniere_Grundschul-Netzwerk Beeskow

Das Klischee sagt: Mathematik ist ein Fach, das die Schülerinnen und Schüler entweder lieben oder ablehnen. Aber in der Realität muss es nicht so sein – wie das Beispiel eines Grundschulnetzwerks im Kreis Märkisch-Oderland zeigt.

„Ob die Schülerinnen und Schüler Mathematik lieben oder nicht, hängt meiner Erfahrung nach oft weniger vom Fach selbst ab, sondern von der Vermittlung, der eigenen persönlichen Einstellung und den Erfolgserlebnissen, die man damit verbindet“, sagt Schulleiter Christopher Sandvoß, 36, der dort seit sechs Jahren Mathematik, Sport, WAT und Medienkunde an der Ludwig-Leichhardt-Grundschule Tauche (rund 150 Schülerinnen und Schüler) unterrichtet, „wer einmal das Gefühl hat, eine schwierige Aufgabe gelöst zu haben, kann daran echte Freude entwickeln. Wer viele Misserfolge erlebt, weil es oft nur die eine richtige Lösung gibt und wenig Raum für persönliche Interpretation oder alternative Lösungswege, der wird das Fach eher nicht mögen. Deshalb ist es wichtig, wie Mathematik unterrichtet wird. Begeisterte, verständnisvolle Lehrkräfte können Mathematik lebendig, verständnisorientiert und sinnvoll vermitteln.“

Wie sieht ein nachhaltiger Mathe-Unterricht aus? „Kinder lernen den Umgang mit Zahlen am besten, wenn sie diese als sinnvoll, spielerisch und machbar erleben. Es geht nicht um frühe Leistung, sondern um Neugier, Selbstvertrauen und das Staunen über Zusammenhänge. Gerade am Anfang der Lernreise ist der Alltagsbezug entscheidend und die positive Haltung, die durch die Lehrkraft vermittelt werden kann“, sagt der Schulleiter weiter, „Mathe sollte nicht als schwierig oder langweilig dargestellt werden. Besser ist es die Neugier auf die Zusammenhänge, Muster und Formen oder das Lösungsorientierte Denken zu wecken. Anstrengungen müssen gelobt werden, nicht nur die richtigen Lösungen. Wenn es dann noch gelingt eventuelle Ängste durch Geduld, Humor und Gelassenheit abzubauen ist der Weg, um als Fach geliebt zu werden, frei.“

Nicht nur Christopher Sandvoß kennt diese Problematik. Auch Schulrat Dirk Jensch ist sie bekannt. Als es im Schuljahr 2022/23 darum ging den bildungspolitischen Schwerpunkt (BPS) „verständnisorientier Mathematikunterricht“ zu bearbeiten, kam ihm die Idee einer übergreifenden Fachgruppe. Sieben Grundschulen aus der Region von Beeskow (Märkisch-Oderland) waren an dem Netzwerk interessiert. Sie tauschten sich aus, wie man eine solche Fachgruppe am besten organisatorisch aufziehen könnte, damit nicht jede Schule einzeln das Thema bearbeiten muss. Zunächst befragten die Schulleiter die Fachkonferenzleitungen Mathematik, ob die Bereitschaft besteht, erst mal nur zu einer Sitzung einzuladen, um den gemeinsam erstellten Themenkatalog zu sichten und eigene wichtige Themen zu besprechen. Anja Maßmann, 38, Fachlehrerin für Mathematik, Deutsch und Gesellschaftswissenschaften und seit 2021 Fachkonferenzleiterin Mathematik an der Grundschule Friedland, war sofort dabei. Sie ging mit so viel Engagement in die Vorbereitungen für die Sitzungen, dass sie 2023 Fachgruppenleiterin Mathematik im Netzwerk rund um Beeskow wurde. Heute hat die Fachgruppe ihren eigenen Arbeitsplan, in dem Themen besprochen und festgelegt werden. Unter anderem werden Unterrichtsmaterial, Stundenbeispiele oder konzeptuelle Arbeit untereinander über die Onlinepinnwand des Landes ausgetauscht.

Zum Schuljahresanfang berichtet Anja Maßmann im Schulleiternetzwerk über den Arbeitsstand der Fachgruppe und trägt Bedenken oder Probleme vor, die im Schulleitungskreis aufgenommen und bearbeitet werden können. „Zu den brennendsten Fragen gehören die Vera-3-Ergebnisse inklusive Auswertungen und Weiterarbeit im Unterricht oder die Umsetzung von Hospitationen der Fachkonferenzleitung“, erklärt sie. Als positive Beispiele nennt die Lehrerin die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Fachgruppenleitung und Netzwerkleitung, die hohe Teilnehmerzahl bei den Fachgruppentreffen oder die gemeinsame Schwerpunktsetzung in einem Schuljahr zu aktuellen Themen, wie digitale Tools oder Hospitationsprotokolle.

Christopher Sandvoß, der seit sechs Jahren das Netzwerk in Beeskow leitet, fügt hinzu: „Die Fachgruppen suchen sich auch Themen aus, die sie insbesondere an den Einzelschulen beschäftigt. Dazu gehören Absprachen zur Arbeit am schulinternen Curriculum, Sprachförderung im mathematischen Kontext, Lehrbuchanalysen, Kriterien guter Mathematikaufgaben, die Materialbörse über die Onlinepinnwand oder der Medieneinsatz im Mathe-Unterricht mit dem sich die Fachgruppe gerade intensiv beschäftigt, da das Kollegium hier einen großen Bedarf sieht.“

Wie erfolgreich ist das Projekt? Der Netzwerkleiter: „Das Model für das Fach Mathematik funktioniert inzwischen so gut, dass wir im Schuljahr 2023/2024, als allen Schulen das Leseband dringend empfohlen wurde, auch die Fachgruppe für Deutsch gegründet haben. Der Erfolg liegt in meinen Augen darin, dass ein schulübergreifender Austausch unter den teils kleinen Fachkonferenzen der Einzelschulen stattfindet, der von allen Beteiligten gewollt und als sinnvoll empfunden wird.“ Maßgeblicherer Vorteil ist, dass der Austausch zielgerichtet, moderiert und selbstbestimmt unter Fachleuten stattfindet. „Eine Fachkonferenz, die sonst aus drei Lehrkräften besteht, kann nun den Input aus sechs anderen Schulen bekommen.

Für die Moderation der Fachgruppe Deutsch hat sich Iliane Kemnitz bereit erklärt. Sie ist seit vier Jahren Fachfortbildnerin Deutsch, bringt also das entsprechende Knowhow mit und ist Mitte des Schuljahres 2024/25 mit den Fachkonferenzleitungen der sieben Schulen gestartet.“ Iliane Kemnitz, 54, die seit 14 Jahren an der Grund- und Oberschule Müllrose als Primarstufenlehrerin Deutsch, Mathematik oder Sport unterrichtet, engagierte sich zuerst für eine einheitliche Online-Pinnwand, später für die Bewertung und Zensierung im Fach Deutsch mit dem Ziel, einheitliche Bewertungskriterien für die Rechtschreibung bei Diktaten und Aufsätzen zu finden. Die rege Teilnahme der Fachkonferenzleitungen, die aus den Treffen Ideen und Anregungen für die Arbeit in den Schulen mitnehmen, ist eine erfreuliche Bestätigung ihrer Arbeit. Beispielsweise zu LRS, Rahmenplaninhalten oder Bewertung und Zensierung. 

Und wie steht Schulleiter Christopher Sandvoß persönlich zur Mathematik? „Ich war schon immer ein sehr logisch- und lösungsorientiert denkender Schüler. Meine Liebe zur Mathematik wurde bei mir in der Oberstufe bei den Themen der Geometrie und der Matrizenrechnung entzündet. Dort hatte ich viele Erfolgserlebnisse, aufgrund dessen ich mich für das Mathematikstudium im Lehramt entschied.“ Natürlich würden auch einer begeisterten Mathe-Lehrkraft nicht alle Themenfelder am Herzen liegen. „Auch deshalb ist das Netzwerk für mich so wichtig, da meine Kolleginnen und Kollegen dadurch einen noch besseren Unterricht abhalten können.“

Jetzt sind Sie gefragt:
Haben Sie auch ein Projekt? Gibt es an Ihrer Schule etwas, dass beispielgebend für Kolleginnen und Kollegen ist? Sind sie in einer Sache an Ihrer Schule stark engagiert oder möchten Sie auf das Engagement anderer aufmerksam machen? Dann wenden Sie sich an unsere Autorin Dona Kujacinski: dona@donakujacinski.de. Die Journalistin stellt im Auftrag des MBJS „Projekte und Pioniere“ vor.


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